Freitag Sep 10

Pferde in der Tauromachie

Ich stand auf dem Hof, dem der Pferde der Stierkampfarena von Madrid, an einem Nachmittag des Stierkampfes. Ich habe gesehen, wie die Gehilfen ihre Hände in die blutenden Bäuche der Pferde steckten um mit Putzwolle die entsetzlichen Wunden zu stopfen.

Unaufhörliche Schmerzen rasten den unglücklichen Tieren durch die unruhigen Beine und schüttelten ihre Flanken und ihre gestutzten Schweife unter schrecklichem Leiden.Das Blut quoll schwer durch die Knäuel von blutgetränkten Wollfasern

Danach wurde das sterbende Tier mit eimerweise kaltem Wasser überschwemmt um es so wiederzu beleben und das Opfer der langsamen Qual schlotterte wieder unter dem Gewicht des „picadors“ und kehrte so zurück in die Arena.

Nach diesem Besuch hätte ich einen erschütternden Bericht, der Inbegriff der Entsetzlichkeiten, die ich gehört und gesehen hatte, schreiben können. Eine Übersicht über Herz- und Gottlosigkeit, über Brutalität, deren Erinnerung sich in das Gedächtnis eines gutherzigen Menschen unauslöschlich eingräbt.

Nur etwas käme dem Horror dieses Artikels gleich: seine Nutzlosigkeit. Deshalb schrieb ich diesen Artikel nicht. Jetzt will ich nur eine Handlung erzählen, damit der Leser selbst darüber urteilen kann, dass ich nicht nur willkürlich Adjektive aneinanderreihe um eine Szene zu verdüstern.

Und hier die Handlung:

Zwischen den für den Stierkampf gekauften Pferden befand sich ein wildes Pferd. Niemand wollte es reiten und es war auch nicht angebracht, dieses Pferd in der Arena erscheinen zu lassen. Können Sie sich vorstellen, wie man erreichte, dieses Tier mit seinem krankhaften Zwang zum Draufgängertum zu bändigen?

Stellen Sie sich eine wirklich grässliche und abscheuliche Ungeheuerlichkeit vor. Haben Sie es getan? Nun….. es kommt noch viel schlimmer!!! Man riss diesem Pferd die Augen heraus!!! Sie rissen ihm die Augen mit einer Eiseskälte, in aller Ruhe heraus.
Wie ohnmächtig durch den schrecklichen Schmerz wankte nun diese wilde Bestie zahmen Schrittes hinaus in die Arena.

Kann es denn wirklich sein, dass es kein Gesetz gibt, dass diese grauenhaften Offenbarungen an Bösartigkeit bestraft?

Anmerkung: Diese an Pferden durchgeführte Praktiken sind althergebracht und rechtskräftig und werden von Tierärzten mündlich bestätigt.

Zeugenaussagen aus der Abdeckerei der Stierkampfarena “Las Ventas” in Madrid von Wenceslao F. Flórez, Autor von “Der fröhliche Wald”, die er in seinem Buch “Hunde, Katzen und andere Freundschaften” wiedergibt.
Wenceslao Fernández Florez, 1879-1964, sp. Schriftsteller, Journalist und Politiker

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